Welttanzprogramm soll Kulturerbe werden

Welttanzprogramm soll Kulturerbe werden

Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerband bewirbt sich um Aufnahme in Unesco-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerband e.V. (ADTV) hat einen Antrag auf Aufnahme des Welttanzprogramms in das Unesco-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland eingereicht. Das im Jahr 1961 in Deutschland entwickelte Welttanzprogramm (WTP) als inhaltliche und methodische Umsetzung der Gesellschaftstänze wird täglich von Tausenden von Menschen getanzt und in ADTV- Tanzschulen unterrichtet. Es ist ein wichtiges Gemeinschafts bildendes System von Bewegungsabläufen zu Musik. Es trägt erheblich zur körperlichen und seelischen Gesundheit bei. Und es ist die Grundlage für die Ausbildung zum ADTV-Tanzlehrer. Der Besuch einer Tanzschule gehört seit Generationen zu den “Initiationsritualen” des Übergangs von der Kindheit in die Welt der (jungen) Erwachsenen. Tanzen gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschen, in Form des Welttanzprogrammes vermittelt es nicht nur tänzerische, sondern auch soziale Kompetenzen.

„Mit diesem Antrag macht der ADTV erneut deutlich, dass er sich in erster Linie als Kulturträger und –vermittler versteht, er ist der konsequente Ausdruck seines selbstgewählten kulturellen Leitbildes als Profil und als gesellschaftliche Positionierung”, erläutert die Präsidentin des ADTV, Cornelia Willius-Senzer.

Der Antrag wird begleitet von wissenschaftlichen Empfehlungsschreiben.

Prof. Dr. Gabriele Brandstetter  vom Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin betont den kulturellen Aspekt des WTP: „International ist Tanz eine Form der Kultur, die in besonderer Weise zum immateriellen Kulturerbe zählt: Mehr noch als andere Formen der darstellenden Künste, z.B. Theater und Musik, ist Tanz in der Gesellschaft ein Kulturgut, das nur durch eine lebendige, körperliche Vermittlung besteht und weitergegeben wird. Seine Tradition ist nur sehr begrenzt über Schrift- und Bilddokumente zu erhalten, und auch Notationen und filmische Aufzeichnungen reichen nicht aus, um Tanz als wesentlichen Bestandteil des kulturellen Erbes sichtbar zu machen und in der Gesellschaft lebendig zu halten.”

Prof. Dr. Gunter Kreutz vom Institut für Musik an der  Carl von Ossietzky Universität Oldenburg verweist auf die soziokulturellen und gesundheitlichen Effekte des WTP. Er schreibt: „Das Welttanzprogramm vermittelt eine stilistische Bandbreite kulturspezifisch geprägter Traditionen und erfüllt damit eine historisch gewachsene soziokulturelle Aufgabe; (es)  schafft gesellschaftliche Ressourcen zur Bewältigung soziokultureller Herausforderungen und  fördert im Zusammenwirken von Musik und Bewegung individuelle körperliche, kognitive, emotionale und soziale Ressourcen, die über die Lebensspanne zu Wohlbefinden, Lebensqualität und Gesundheit signifikant beitragen.“

Der Antrag wurde bei der Hamburger Kulturbehörde eingereicht. Nach einer Vorauswahl werden die Anträge aus allen Bundesländern an die Kultusministerkonferenz (KMK) weitergeleitet. Die KMK erstellt eine Vorschlagsliste und leitet sie an ein Expertenkomitee weiter. Dessen Auswahlempfehlung muss abschliessend von der KMK sowie dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien bestätigt werden.

 

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